
UniSieve erhält 9 Mio. Dollar – Membranen sollen aus Pilotanlagen herauswachsen

Die Zürcher UniSieve AG hat laut ihrer Mitteilung vom 8. Oktober 2026 in einer vom Orano Venture Fund angeführten Series A 9 Millionen US-Dollar aufgenommen, wodurch ihre gesamte Finanzierung auf 25 Millionen Dollar steigt; Geschäftsführer Samuel Hess beschreibt den Zweck des neuen Kapitals mit den Worten: „The fresh capital will allow us to focus on execution“. Neben dem federführenden Fonds beteiligen sich Amadeus APEX Technology Fund, Founderful, Zürcher Kantonalbank und Guenat Holding.
Das Geld soll Hybridmembranen für die industrielle Gastrennung aus einzelnen erprobten Einsätzen in eine breitere kommerzielle Anwendung bringen. Bei der Olefintrennung und der CO₂-Abscheidung direkt an industriellen Emissionsquellen hat die Technik vorkommerzielle Reife erreicht: UniSieve nennt eine wiederholbare Herstellung, im Feld validierte Leistung und installierbare Systeme. Die Finanzierungsrunde zielt damit auf die Ausweitung bestehender Anwendungen und auf weitere industrielle Trennaufgaben.
Was die neue Runde finanzieren soll
Der neue Betrag steht für den jetzt angekündigten Ausbau; die höhere Gesamtfinanzierung umfasst auch früher eingeworbenes Kapital. UniSieve will seine Technologie in bestehenden Märkten skalieren und zusätzliche industrielle Anwendungen erschliessen. Die Aufgabe verschiebt sich dadurch von der Validierung einzelner Einsätze zur Frage, wie sich Membranen und vollständige Systeme wiederholt für weitere Kunden bereitstellen lassen.
Der Orano Venture Fund wird von Supernova Invest verwaltet. Für die nächste Phase ist die Verbindung von Fertigung und Einsatz entscheidend: Eine Membran kann im Feld funktionieren, während ihre Herstellung für viele Anlagen und ihre Integration in unterschiedliche Prozesse weitere Arbeit erfordern. Die angekündigte Runde nennt keine Aufteilung des Kapitals auf Produktionskapazität, Entwicklung und Kundenprojekte. Ihr erklärtes Ziel ist jedoch die breitere kommerzielle Nutzung der bereits erprobten Technik.
Wo die Membranen Energie einsparen sollen

Der technische Ansatz betrifft einen energieintensiven Teil industrieller Prozesse: die Trennung von Gasgemischen, für die häufig Wärme eingesetzt wird. Die Zürcher Handelskammer beschreibt die Molekularsiebe des 2018 aus der ETH Zürich hervorgegangenen Unternehmens als Membranen mit metallorganischen Gerüsten und Zeolithen und nennt ein Energieeinsparpotenzial von rund 90 Prozent gegenüber bisherigen Trennverfahren. Welche Vergleichsanlage und welche Betriebsbedingungen dieser Angabe zugrunde liegen, führt der Bericht nicht aus.
Solche porösen Materialien erlauben es, Bestandteile eines Gasstroms nach ihren Eigenschaften zu trennen. Für UniSieve liegt die industrielle Schwierigkeit darin, sie in haltbare Membranen und betreibbare Systeme zu überführen. Erst dann kann ein Trennschritt, der bislang viel Energie für Erhitzen und Abkühlen benötigt, in einem konkreten Prozess durch Membrantechnik ersetzt oder ergänzt werden.
Die bereits genannten Anwendungen unterscheiden sich deutlich. Bei Olefinen geht es um Stoffströme der chemischen Produktion; bei der CO₂-Abscheidung um Emissionen, die direkt an einer industriellen Quelle erfasst werden. Für beide zählt neben der Trennwirkung, wie viel Gas ein System dauerhaft verarbeitet und wie es in eine bestehende Anlage eingebunden wird. Das genannte Einsparpotenzial ist deshalb keine veröffentlichte Verbrauchsmessung für jeden künftigen Industriestandort.
Wie weit UniSieve über Pilotanlagen hinaus ist

Der erreichte Reifegrad geht über einen reinen Labornachweis hinaus. Vorkommerzielle Reife bedeutet hier, dass Membranen für die genannten Anwendungen wiederholbar hergestellt wurden, ihre Leistung unter Feldbedingungen validiert wurde und Systeme für einen Einsatz bereitstehen. Diese Angaben betreffen die Olefintrennung und die CO₂-Abscheidung an Emissionsquellen; für weitere angekündigte Anwendungen ist damit noch kein gleicher Reifegrad beschrieben.
Der Bericht von startupnews.ch greift die Aussage von APEX-Investor Wolfgang Neubert auf, UniSieve habe sich von Pilotinstallationen zu grösseren Systemen mit zahlenden Kunden vorgearbeitet. Der Bericht nennt weder Kundennamen noch die Zahl der installierten Systeme. Zahlende Kunden zeigen eine Nutzung ausserhalb eines Forschungsprojekts; wie breit und dauerhaft die Technik bereits im industriellen Betrieb eingesetzt wird, lässt sich daraus nicht beziffern.
Für die Ausweitung kommt es darauf an, ob sich die Leistung unter unterschiedlichen Gasgemischen und Betriebsbedingungen wiederholen lässt. Ebenso muss die Fertigung Membranen in gleichbleibender Qualität liefern, wenn mehr Systeme benötigt werden. Feldvalidierung und grössere Kundensysteme sind dafür konkrete Fortschritte. Ein öffentlich bezifferter Nachweis über viele parallel betriebene Anlagen liegt mit der Finanzierungsrunde noch nicht vor.
Der nächste Nachweis liegt im laufenden Betrieb

Die neue Finanzierung soll UniSieve mehr Raum für industrielle Einsätze geben, doch der Massstab für die nächste Phase liegt bei den installierten Systemen. Bei der Olefintrennung und der CO₂-Abscheidung werden vor allem Angaben zu Betriebsdauer, verarbeiteten Gasströmen und Energiebedarf unter den jeweiligen Anlagenbedingungen zeigen, wie gut sich die bisherigen Ergebnisse übertragen lassen. Das ist auch für Unternehmen im deutschsprachigen Raum relevant, die Trenntechnik in bestehende Produktionsabläufe einbinden müssten.
Für zusätzliche Anwendungen beginnt diese Arbeit früher: Ein geeignetes Membranmaterial muss zum jeweiligen Gasgemisch passen, und daraus muss erneut ein verlässlich betreibbares System werden. UniSieve hat keinen Termin für einen umfassenden Nachweis an vielen Standorten genannt. Sichtbar wird der Fortschritt, wenn aus den bereits feldvalidierten Anwendungen weitere dauerhaft arbeitende Industrieanlagen hervorgehen.
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