
tl;dv oder Sally AI: Zehn Euro sparen kostet zwei Minuten Nacharbeit

Für Teams mit begrenztem Budget ist Sally AI der günstigere Einstieg. Wer viele Protokolle vor der Weitergabe korrigiert, sollte auch den Aufwand betrachten: Im deutschsprachigen Vergleich von ScribeIndex erreicht tl;dv 85,0 Prozent Fakten-F1 und 9,8 Minuten geschätzte Nacharbeit je Besprechung, Sally AI 84,2 Prozent und 11,8 Minuten; das sind für Sally zwei Minuten mehr pro Meeting. Der Abstand beschreibt diesen Testkorpus und keine garantierte Zeitersparnis im eigenen Team.
Bei jährlicher Abrechnung kostet Sally Starter 8 Euro pro Nutzer und Monat ohne Mehrwertsteuer und enthält 1.200 Transkriptionsminuten monatlich; der Anbieter nennt außerdem Entwicklung und Hosting in Deutschland. tl;dv Pro kostet 18 Euro pro Nutzer und Monat bei jährlicher Abrechnung: Der Abstand der ausgewiesenen Monatswerte beträgt zehn Euro pro Lizenz. Die Tarife unterscheiden sich auch bei Funktionen und Nutzungslimits, sodass der Preisabstand allein noch keine Gesamtkostenentscheidung ist.
Wie groß ist der Qualitätsunterschied?
Fakten-F1 bewertet, wie präzise und vollständig ein Protokoll die dokumentierten Gesprächsfakten erfasst. Für die Weitergabe zählen vor allem richtige Beschlüsse, Aufgaben, Zuständigkeiten und Fristen: Ein flüssig formulierter Text hilft wenig, wenn er eine Zusage auslässt oder einer falschen Person zuordnet. tl;dv liegt bei dieser Kennzahl im gemeinsamen Korpus knapp vor Sally AI. Die ausgewiesenen Unsicherheitsintervalle überlappen jedoch; daraus folgt keine sichere Rangfolge für jede Gesprächsart.
Die Testreihe umfasst deutschsprachige Besprechungen mit einer durchschnittlichen Aufnahmedauer von knapp vierzig Minuten. Nacharbeit bedeutet hier geschätzte aktive Korrekturzeit bis zu einem Protokoll, das weitergegeben werden kann; das einmalige Lesen des fertigen Textes ist nicht enthalten. Die Schätzung hängt davon ab, welche Fehler auftreten und ob eine fragliche Stelle im Transkript oder in der Aufnahme nachgehört werden muss. Zwei Minuten sind deshalb eine brauchbare Rechengröße, aber kein gemessener Zeitgewinn für ein bestimmtes Unternehmen.
Auch der verglichene Tarif ist wichtig. Sally unterscheidet auf seiner Preisseite zwischen Leistungsstufen der Spracherkennung und bietet in Pro unbegrenzte Transkriptionsminuten. Der Testwert für Sally AI ist damit keine Zusage, dass Starter bei jedem Gespräch genau diese Qualität liefert. Umgekehrt sagt der Testabstand nichts darüber aus, ob Funktionen eines höheren tl;dv-Tarifs für ein Team nötig sind.
Was bedeuten zehn Euro Unterschied für ein kleines Team?

Ein bedingtes Rechenbeispiel macht den Preis gegen die Korrekturzeit vergleichbar: Bei fünf zahlenden Personen ergeben die ausgewiesenen Monatswerte 480 Euro pro Jahr für Sally Starter und 1.080 Euro für tl;dv Pro, jeweils ohne zusätzliche Kosten. Das sind 600 Euro Unterschied im Jahr oder 50 Euro im Monatsmittel. Die Rechnung setzt voraus, dass alle fünf Personen eine Lizenz brauchen und Sallys Minutenkontingent ausreicht.
Erstellt dieses Team beispielsweise insgesamt vierzig unterschiedliche Protokolle im Monat und wiederholt sich bei jedem der geschätzte Testabstand, entstehen bei Sally rechnerisch achtzig zusätzliche Korrekturminuten. Bei internen Kosten von mehr als 37,50 Euro je Korrekturstunde übersteigt deren Zeitwert die monatliche Lizenzdifferenz. Diese Schwelle folgt aus angenommenem Meetingvolumen und den veröffentlichten Mittelwerten; sie ist kein gemessener Wirtschaftlichkeitsnachweis.
Die Zahl der freizugebenden Protokolle entscheidet stärker als die bloße Zahl der Kalendereinträge. Eine kurze interne Abstimmung, deren Notiz niemand weitergibt, verursacht kaum denselben Korrekturaufwand wie ein Gespräch mit verbindlichen Aufgaben und Fristen. Wird das Starter-Kontingent überschritten, muss zudem ein anderer Sally-Tarif in die Rechnung. Wer nur gelegentlich formelle Protokolle benötigt, kann deshalb trotz des Testabstands mit dem günstigeren Angebot besser fahren.
Welche Gespräche und Arbeitsabläufe decken die Dienste ab?
Beide Dienste erfassen Gespräche in Google Meet, Zoom und Microsoft Teams und erstellen daraus Transkripte und Zusammenfassungen. Sally unterstützt zusätzlich Webex, Datei-Uploads und die Aufnahme persönlicher Gespräche per Smartphone-App. Das kann für Teams wichtig sein, deren Besprechungen zwischen Videokonferenz, Kundentermin und Telefonat wechseln. Im Starter-Tarif sind strukturierte Zusammenfassungen und Aufgabenerkennung enthalten; eigene Vorgaben für die Ausgabe und unbegrenzte Minuten gehören zu höheren Leistungsstufen.
tl;dv bietet neben dem Meeting-Bot eine Desktop-Aufnahme ohne zusätzlichen Bot-Teilnehmer. Der kostenlose Tarif erlaubt das Ausprobieren, setzt der Nutzung von KI-Notizen, Uploads und der Aufbewahrung aber Grenzen. Pro erweitert unter anderem Uploads, Vorlagen und Integrationen. Für einen CRM-Ablauf zählt weniger die beworbene Gesamtzahl der Verbindungen als die Frage, ob die benötigte Übergabe von Notizen, Aufgaben oder Gesprächsausschnitten im gewählten Tarif funktioniert.
Die Aufnahmeart beeinflusst auch die spätere Korrektur. Ein Zeitstempel oder ein auffindbarer Gesprächsausschnitt kann helfen, eine strittige Zuständigkeit nachzuhören; ein automatisch erkannter Aufgabenpunkt ersetzt diese Prüfung nicht. Wer vor allem Präsenzgespräche dokumentiert, bewertet Sallys Smartphone-Weg möglicherweise höher als eine zusätzliche Videokonferenzintegration. Bei regelmäßig aufgezeichneten Online-Terminen kann dagegen die Ablage in einer gemeinsamen, durchsuchbaren Meetingbibliothek wichtiger sein.
Was bedeutet der Datenstandort für die Wahl?

Bei tl;dv unterscheidet die Datenschutzerklärung zwischen überwiegend europäischem Hosting und der Verarbeitung begrenzter Transkriptteile für KI-Funktionen: Für Letztere kann im Konto eine Region in der EU oder in den USA gewählt werden. Speicherort der Aufnahme und Ort der KI-Verarbeitung sind somit getrennte Fragen. Für Teams mit einer Vorgabe zur Verarbeitung in Deutschland ist Sallys deutscher Hostinganspruch ein relevanter Unterschied, der im konkreten Vertrag und bei eingebundenen Integrationen geklärt werden sollte.
Ebenso gehören Zugriffsrechte und Löschung zur Entscheidung. Ein Protokoll kann Inhalte über Beschäftigte, Kunden oder andere erwähnte Personen enthalten; seine Weitergabe schafft einen anderen Empfängerkreis als das ursprüngliche Gespräch. Vor der Einführung sollten Teams deshalb festlegen, welche Besprechungen erfasst werden, wer Aufnahmen und Notizen sehen darf und wann sie gelöscht werden. Eine europäische oder deutsche Serverregion beantwortet diese organisatorischen Fragen nicht.
Was ist vor einer Aufnahme zu klären?
Die Orientierungshilfe der deutschen Datenschutzkonferenz verlangt für Aufzeichnungen eine gesonderte Prüfung der Rechtsgrundlage und klare Informationen über Zweck und weitere Verarbeitung. Ohne besonderes Dokumentationserfordernis kann eine Einwilligung in Aufnahme und Weiterverarbeitung erforderlich sein. Das gilt unabhängig davon, ob ein sichtbarer Bot teilnimmt oder eine Desktop-App das Gespräch erfasst.
- Festlegen, welche Besprechungen dokumentiert werden müssen und wann eine Notiz ohne Aufnahme genügt.
- Teilnehmende vor Beginn über Aufnahme, Transkription, Zweck, Empfänger und Aufbewahrung informieren und die passende Rechtsgrundlage prüfen.
- Auftragsverarbeitung, Zugriffsrechte, Löschfristen und gegebenenfalls die betriebliche Mitbestimmung vor dem Einsatz klären.
Für Teams in Österreich und der Schweiz kommen die jeweils geltenden nationalen Anforderungen hinzu. Bei sensiblen oder verbindlichen Gesprächen hat die zulässige und nachvollziehbare Dokumentation Vorrang vor einer kleinen Differenz bei Lizenzpreis oder geschätzter Korrekturzeit. Für ein Team mit vielen freizugebenden Online-Protokollen kann tl;dv Pro den Aufpreis rechnerisch aufwiegen; bei geringerem Volumen und passendem Minutenkontingent spricht der niedrigere Einstiegspreis für Sally Starter.
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