Start-ups & Wirtschaft

Stripe und Advent geben PayPal auf – der 53-Milliarden-Deal scheitert

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit| 8
Stripe und Advent geben PayPal auf – der 53-Milliarden-Deal scheitert

Stripe und Advent International haben ihren rund 53 Milliarden US-Dollar schweren Übernahmeversuch für PayPal beendet. Am 28. August 2026 wurde der Abbruch bekannt; der Bericht von Axios nennt ein Gebot von 60,50 Dollar je Aktie, während PayPal am Vorabend bei 61,47 Dollar geschlossen hatte.

Damit kam am 28. August 2026 keine Übernahme von PayPal durch Stripe und Advent zustande. Das Konsortium verfolge den Kauf nicht weiter, berichtete Bloomberg Law unter Berufung auf informierte Personen; eine unterzeichnete Transaktionsvereinbarung oder eine behördlich untersagte Fusion gab es nicht.

Vom 53-Milliarden-Angebot zum Abbruch

Chronologie der PayPal-Offerte von der Ablehnung bis zum Abbruch der Preisgespräche

Der Übernahmeversuch begann mit einem erheblichen Aufschlag. Anfang Juli boten Stripe und Advent gemeinsam 60,50 Dollar je PayPal-Aktie und damit rund 28 Prozent mehr als der damalige Schlusskurs; das Angebot bewertete PayPal mit mehr als 53 Milliarden Dollar und war nach der damaligen Rekonstruktion von Golem durch etwa 50 Milliarden Dollar zugesagter Bankfinanzierung unterlegt.

Der Aufschlag reichte PayPal dennoch nicht. Das Unternehmen wies den Preis als unzureichend zurück; anschließende Gespräche über eine höhere Bewertung endeten ohne Einigung, wie die Chronologie von Golem festhält. Aus einem unverbindlichen Übernahmeversuch wurde deshalb kein vereinbarter Kauf.

Die Bezeichnung „gescheiterter Deal“ meint hier also keinen bereits geschlossenen Vertrag, der später aufgehoben wurde. Gescheitert ist die Bildung eines Konsenses über Preis und Transaktion: PayPal akzeptierte die gemeldete Offerte nicht, und die Bieter erhöhten sie nicht bis zu einem für beide Seiten tragfähigen Niveau.

Der frühere Aufschlag verwandelte sich in einen Abschlag

PayPals Schlusskurs von 61,47 Dollar liegt über dem Angebot von 60,50 Dollar je Aktie

Zwischen Juli und dem Abbruch verschob sich das Preisverhältnis grundlegend. Zu Beginn lag das Angebot rund 28 Prozent über dem damaligen Börsenkurs. Vor der Abbruchmeldung notierte PayPal mit 61,47 Dollar dagegen 0,97 Dollar über dem Angebot von 60,50 Dollar – rechnerisch ein Abstand von rund 1,6 Prozent.

Dieser Vergleich erklärt, weshalb die ursprüngliche Offerte ihre Überzeugungskraft verlor. Aktionäre sollten ihre Anteile zu einem Preis abgeben, der unter der jüngsten Börsenbewertung lag. Ein Verwaltungsrat kann einem solchen Angebot zwar grundsätzlich zustimmen, müsste aber überzeugend begründen, weshalb der niedrigere sichere Kaufpreis attraktiver ist als der Marktpreis und die erwartete eigenständige Entwicklung.

Der Börsenkurs beweist nicht, welchen „wahren“ Wert PayPal besitzt. Während Übernahmegesprächen kann er bereits Erwartungen an ein höheres Gebot enthalten und nach einem Abbruch wieder fallen. Er zeigt aber den unmittelbar sichtbaren Bewertungsabstand: Für eine Einigung mussten Stripe und Advent nicht mehr nur einen Aufschlag auf den alten Kurs finanzieren, sondern PayPals höhere Preisvorstellung und einen inzwischen gestiegenen Marktwert überbrücken.

Warum die Finanzierung den Abschluss nicht sichern konnte

Die zugesagte Bankfinanzierung beantwortete nur die Frage, ob das Konsortium sein ursprüngliches Angebot grundsätzlich bezahlen konnte. Sie verpflichtete PayPal weder zur Annahme noch ersetzte sie eine Einigung über Kaufpreis, Garantien und Vertragsbedingungen. Das entscheidende Hindernis lag nach den öffentlich bekannten Informationen bereits vor einem bindenden Vertrag.

Eine weitergehende Ursache lässt sich aus den zugänglichen Berichten nicht belastbar ableiten. Sie dokumentieren die Ablehnung des Preises und erfolglose Gespräche über eine Erhöhung, nennen aber weder eine Finanzierungsabsage noch eine behördliche Entscheidung als Grund für das Ende. Die engste belegbare Schlussfolgerung lautet deshalb: Das verfügbare Kapital genügte nicht, um die Bewertungslücke zu schließen.

Auch die genaue Schmerzgrenze der Käufer bleibt unbekannt. Ebenso wurde nicht veröffentlicht, welchen Preis PayPal verlangt hätte. Dass der Börsenkurs das ursprüngliche Gebot überholt hatte, war ein sichtbares Problem; ob es allein oder zusammen mit weiteren vertraulichen Vertragsfragen den Ausschlag gab, ist nicht bestätigt.

PayPal bleibt auf seine eigenständige Strategie angewiesen

PayPal setzt nach dem Übernahmeabbruch auf sein bestehendes Zahlungsnetz und die eigenständige Strategie

Mit dem Rückzug entfällt die konkrete Verkaufsoption, während PayPal als eigenständiges börsennotiertes Unternehmen bestehen bleibt. Das Management muss nun die operative Neuaufstellung liefern, auf deren möglichen Wert sich die Ablehnung des Angebots stützen ließ. Eine spätere Offerte desselben Konsortiums oder eines anderen Käufers wäre ein neues Ereignis, nicht die Fortsetzung eines vereinbarten Deals.

Eine Ausgangsbasis dafür zeigen die offiziellen PayPal-Zahlen zum zweiten Quartal 2026: Der Umsatz erreichte 8,7 Milliarden Dollar, das Zahlungsvolumen 486,4 Milliarden Dollar und die Zahl aktiver Konten 439 Millionen. PayPal verwies zugleich auf eine Stabilisierung des Marken-Checkouts sowie Dynamik bei Venmo und Braintree.

Diese Kennzahlen garantieren keinen erfolgreichen Umbau. Sie verdeutlichen jedoch, dass PayPal zwischen einem sicheren Verkaufspreis und einer eigenständigen Entwicklung abwägen konnte. Nach dem Ende der Gespräche tragen das Unternehmen und seine Aktionäre wieder vollständig das Risiko, ob diese Strategie den abgelehnten Preis rechtfertigt.

Was nach dem Abbruch offenbleibt

Bestätigt ist der Abbruch des gemeldeten gemeinsamen Übernahmeversuchs am 28. August 2026. Nicht öffentlich bekannt sind PayPals konkrete Preisforderung, die maximale Zahlungsbereitschaft von Stripe und Advent sowie sämtliche Bedingungen, die neben dem Kaufpreis verhandelt wurden. Eine ausführliche gemeinsame Erklärung der drei Unternehmen liegt in den zugänglichen Berichten nicht vor.

Für Kunden und Händler ändert sich durch den Abbruch zunächst weder PayPals Eigentümerstruktur noch der Bestand laufender Verträge. Der nächste belastbare Entwicklungsschritt wäre eine offizielle Unternehmensmitteilung, ein neues Angebot oder eine andere strategische Transaktion. Bis dahin ist dieser Übernahmeversuch beendet – eine spätere Annäherung bleibt lediglich eine unbestätigte Möglichkeit.

Lesen Sie auch:

Teilen:

Newsletter abonnieren

Erhalten Sie die neuesten Nachrichten zu Web3, KI und Krypto direkt in Ihren Posteingang.

0