Videomeetings planen: Länge und Größe treiben die Nebenarbeit

|Autor: QUASA-Redaktion|5 Min. Lesezeit
Videomeetings planen: Länge und Größe treiben die Nebenarbeit

Teams können Videomeetings reduzieren, indem sie vor jeder Einladung das benötigte Ergebnis festlegen: Muss gemeinsam entschieden oder ein Konflikt geklärt werden, braucht es ein Gespräch. Geht es nur darum, einen bekannten Stand weiterzugeben, genügt meist ein schriftliches Update. Für notwendige Gespräche sollten Dauer und Teilnehmerkreis aus den offenen Fragen folgen, statt aus dem üblichen Kalendereintrag.

Die CHI-Studie zu virtuellen Meetings verband anonymisierte Nutzungsdaten von Microsoft-Beschäftigten aus dem Jahr 2020 mit einer Tagebuchstudie, zu der 715 Beschäftigte mindestens einen Eintrag beitrugen. In der Telemetrie hing parallele E-Mail-Arbeit signifikant mit Dauer, Größe, Zeitpunkt und Art des Termins zusammen: Sie trat bei längeren und größeren Meetings sowie bei wiederkehrenden Terminen häufiger auf. Für Dateibearbeitung fand die Analyse keinen entsprechenden signifikanten Zusammenhang; die beobachteten Muster belegen auch keinen garantierten Produktivitätsgewinn durch kürzere Einladungen.

Erst das Ergebnis klären, dann den Kanal wählen

Die wichtigste Frage vor einem Termin lautet: Was würde scheitern, wenn Beteiligte die Information nacheinander lesen und beantworten? Fehlt darauf eine konkrete Antwort, kann die einladende Person den Stand, offene Punkte und eine Frist für Rückmeldungen schriftlich teilen. Eine Videokonferenz ist eher gerechtfertigt, wenn Einwände unmittelbar aufeinander bezogen werden müssen oder eine Entscheidung von mehreren Perspektiven zugleich abhängt.

Eine Forschungsarbeit der Universität Gent ordnet die Wahl des Gesprächsformats nach dem angestrebten Ergebnis und den dafür benötigten Kommunikationsmöglichkeiten; auch Größe und Dauer spielen dabei eine Rolle. Für die Kalenderplanung folgt daraus eine einfache Trennung: Informationen können vorab bereitstehen, während die gemeinsame Zeit den Fragen gehört, bei denen eine Antwort die nächste verändert. Bei sensiblen Themen kann das Gespräch selbst Teil des Zwecks sein, auch wenn sich die Fakten schriftlich zusammenfassen ließen.

Entscheidungsmatrix für typische Termine

Die folgenden Regeln übersetzen Zweck, benötigte Beteiligte und notwendige Gleichzeitigkeit in eine Kalenderentscheidung. Sie sind eine redaktionelle Entscheidungshilfe, keine wissenschaftlich ermittelte Obergrenze für Minuten oder Personen.

  • Statusupdate: Stehen Fortschritt und nächste Schritte fest, ist ein schriftlicher Stand mit Rückfragemöglichkeit der Ausgangspunkt. Ein Termin wird erst sinnvoll, wenn mehrere Beteiligte eine offene Abhängigkeit gemeinsam klären müssen.
  • Entscheidung: Eingeladen werden die Personen, die entscheiden, einen wesentlichen Einwand prüfen oder die Umsetzung verbindlich zusagen müssen. Kann ein Einwand vorab schriftlich beantwortet werden, braucht seine Urheberin oder sein Urheber dafür nicht den ganzen Termin zu besuchen.
  • Problemlösung: Die Runde umfasst diejenigen mit den fehlenden Informationen oder unterschiedlichen Lösungswegen. In die Einladung gehören das konkrete Problem und die Frage, die am Ende beantwortet sein soll; reine Fortschrittsberichte lassen sich auslagern.
  • Breite Information: Eine Mitteilung oder ein zeitversetzt verfügbares Format erreicht auch Menschen, die zum angekündigten Zeitpunkt nicht teilnehmen können. Für strittige Fragen lässt sich anschließend eine kleinere Gesprächsrunde ansetzen.

Ein regelmäßiger Termin erhält keinen Sonderstatus, nur weil er bereits im Kalender steht. Fehlen neue Entscheidungen und ungeklärte Abhängigkeiten, kann er entfallen oder seltener stattfinden. Bleibt nur ein Teil der Tagesordnung offen, wird genau dieser Teil zum Anlass einer kürzeren Einladung. Das Ergebnis sollte für alle Betroffenen zugänglich bleiben, damit weniger Anwesenheit nicht zu weniger Information führt.

Dauer an den offenen Fragen ausrichten

Eine kürzere Standardbuchung hilft wenig, wenn der Termin weiterhin mit Berichten beginnt und ohne Beschluss endet. Besser ist es, vorab festzulegen, welche Punkte eine Aussprache verlangen und welches Ergebnis daraus hervorgehen soll. Informationen zum Nachlesen gehören in die Vorbereitung; die Gesprächszeit beginnt bei der ersten offenen Frage und endet, wenn Entscheidung und Zuständigkeit feststehen.

Auch ein längerer Workshop kann nötig sein, etwa wenn mehrere voneinander abhängige Fragen gemeinsam bearbeitet werden. Dann machen Abschnitte mit eigenen Ergebnissen und Pausen sichtbar, wofür die Zeit gebraucht wird. Aus der Studie lässt sich keine allgemeine Minutengrenze ableiten. Der praktische Maßstab ist, ob jeder Abschnitt noch einen Beitrag zum vereinbarten Ergebnis verlangt oder die Beteiligten lediglich auf ihren nächsten relevanten Punkt warten.

Teilnehmerzahl an Aufgaben messen

Für jede eingeladene Person sollte erkennbar sein, welche Information, Entscheidung oder verbindliche Handlung sie in der Runde beisteuert. Lautet der einzige Grund „auf dem Laufenden bleiben“, ist eine spätere Zusammenfassung mit Gelegenheit zur Rückfrage meist passender. So sinkt die Zahl der Zuhörenden, ohne dass Betroffene vom Ergebnis ausgeschlossen werden.

Eine kleinere Runde braucht dennoch alle Perspektiven, von denen die Entscheidung tatsächlich abhängt. Vor dem Kürzen hilft deshalb eine Rollenprüfung: Wer entscheidet, wer kennt eine kritische Abhängigkeit und wer übernimmt die Umsetzung? Werden einzelne Fachleute nur für einen Tagesordnungspunkt gebraucht, können sie gezielt zu diesem Abschnitt hinzukommen. Diese Aufteilung verlangt einen verlässlichen Ablauf und eine Ergebnisnotiz, damit niemand für einen kurzen Beitrag vorsorglich im gesamten Gespräch bleiben muss.

Zeitpunkt und spontane Anrufe mitbedenken

Im Microsoft Work Trend Index Special Report stehen im Berichtstext 57 Prozent spontane Anrufe ohne Kalendereinladung; die Methodik nennt 60 Prozent ungeplante oder spontane Meetings für das Fünftel der Nutzer mit den meisten Terminen. Die Werte haben damit unterschiedliche Bezugsgrößen. Die aggregierte Telemetrie schließt zudem EU-Mandanten aus und liefert keinen lokalen Richtwert für Teams im deutschsprachigen Raum.

Spontane Gespräche können eine dringende Frage schnell lösen. Vor dem Anruf sollte dennoch klar sein, warum die Antwort jetzt gemeinsam entstehen muss; andernfalls lassen sich Kontext, Frage und gewünschter Antwortzeitpunkt schriftlich nennen. Bei wichtigen Entscheidungen zählt außerdem, ob Beteiligte Zeit zur Vorbereitung haben. Ein freier Kalendereintrag allein sagt weder etwas über ihre Verfügbarkeit für konzentrierte Arbeit noch über die Eignung des Zeitpunkts für eine schwierige Abwägung aus.

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