
naoo bündelt Kingfluencers – neue Creator-Erlöse sind noch ein Versprechen

Die Schweizer naoo AG hat in ihrer Mitteilung vom 22. Oktober 2026 den organisatorischen Abschluss der seit dem Kauf im März 2025 laufenden Integration von Kingfluencers gemeldet; den Umzug der operativen Teams an die Molkenstrasse 15 in Zürich kündigte sie für Ende Oktober an. Die gemeinsame Struktur verbindet eine Social-Media-Plattform mit einem bestehenden Creator-Netzwerk. Neue, allgemein zugängliche Vergütungen für Creator wurden dabei nicht veröffentlicht.
Ein TradingView-Kurzbericht nennt die Zusammenführung, Führungswechsel und den geplanten Ausbau von naoo Play als Kernpunkte. Für Creator in der Schweiz ist die Grenze klar: Das Agenturgeschäft und die Plattformfunktionen bestehen bereits, während die wirtschaftlichen Bedingungen neuer gemeinsamer Formate noch offen sind. Der angekündigte Büroumzug war zum Zeitpunkt der Abschlussmeldung ebenfalls ein bevorstehender Schritt.
Gemeinsame Funktionen und neue Zuständigkeiten

Die Integration betrifft zunächst die Arbeit innerhalb der Unternehmensgruppe. Finance, Commercial und People wurden als gemeinsame Funktionen eingerichtet. Zudem starteten Initiativen, die das Angebot von naoo mit dem Creator-Netzwerk, den Kundenbeziehungen und der Vermarktungskompetenz von Kingfluencers verbinden sollen. Das ist eine organisatorische Grundlage für gemeinsame Projekte, aber noch keine Beschreibung eines neuen Auftrags- oder Auszahlungswegs für einzelne Creator.
Der geplante gemeinsame Standort liegt am Zürcher Helvetiaplatz; der Hauptsitz der naoo AG bleibt in Zug. Ein gemeinsamer Arbeitsort kann die Abstimmung zwischen Plattform- und Kampagnenteams erleichtern. Ob Kampagnen dadurch bereits über eine gemeinsame Buchung abgewickelt werden, ist eine andere Frage: Ein entsprechender Ablauf gehört nicht zu den veröffentlichten Ergebnissen der Integration. Die räumliche Zusammenlegung war als sichtbarer Schlusspunkt der organisatorischen Arbeit angekündigt.
Mit dem Integrationsabschluss gibt Gregor Doser seine operative Verantwortung an das bestehende Führungsteam ab und scheidet aus den Geschäftsleitungen von naoo AG und Kingfluencers AG aus. Er hatte Kingfluencers als Managing Director geführt und die kommerzielle Entwicklung sowie die Zusammenführung betreut; über eine mögliche Beratungsrolle wird gesprochen. Auch Gabriel Höhener scheidet aus der naoo-Geschäftsleitung aus. Die Produktverantwortung wurde bei Dr. David Liu gebündelt. Für kommende Angebote gilt damit eine veränderte Führungsstruktur, noch kein veröffentlichtes Creator-Programm.
Welche Angebote für Creator welchen Status haben

naoo verbindet bereits soziale Inhalte und Communities mit Punkten und Belohnungen für Nutzer. Geschäftskunden können personalisierte Angebote gestalten und Besuche an physischen Orten über Punkte anregen. Der Nutzen dieser Punkte ist ein Vorteil für Nutzer, keine ausgewiesene Bezahlung für die Produktion von Beiträgen. Kingfluencers bringt daneben sein bestehendes Agenturgeschäft mit Creator-Kampagnen ein; dessen Aufträge sind vom Punktesystem der App zu unterscheiden.
Eine Produktmeldung vom 6. Oktober 2026 grenzt die nächste Stufe genauer ein: Werbemonetarisierung war bereits in die Plattform integriert, die neue Streaming-Funktion befand sich im Testbetrieb, und eine Freischaltung für Nutzer wurde für später im Oktober angekündigt. Langfristig sollen Creator und andere Rechteinhaber eigene Inhalte über diese Infrastruktur vertreiben und monetarisieren können. Daraus ergeben sich unterschiedliche Angebotsstände:
- Bestehend: Social-Media-, Community- und Gamification-Funktionen, Punkte und Belohnungen sowie die Vermarktung von Creator-Kampagnen durch Kingfluencers. Auch integrierte Werbung ist ein bestehender Monetarisierungsbaustein der Plattform. Daraus folgt weder eine automatische Beteiligung der Urheber an Werbeumsätzen noch ein neuer Tarif für ihre Beiträge.
- Im Ausbau: naoo Play soll mit professionell produzierten Microdramas, Short Series und Vertical Short Dramas mehr Unterhaltung in die App bringen. Bei der Ankündigung befand sich die Streaming-Funktion im Testbetrieb; naoo Worlds und andere vorhandene Funktionen sollen ebenfalls weiterentwickelt werden. Ein angekündigter Start für Nutzer bedeutet noch keinen offenen Zugang für Creator zur Produktion oder Vermarktung solcher Formate.
- Angekündigte Erlöschance: Eigene Inhalte und Rechte über naoo zu vertreiben und zu monetarisieren ist eine langfristige Perspektive. Für dieses Modell fehlen Vergütungssätze, Zugangsvoraussetzungen, Regeln zur Beteiligung an Werbung oder Abonnements und ein verbindlicher Starttermin für Creator. Auch für gemeinsame Kampagnen wurde kein einheitliches neues Abrechnungsmodell genannt.
Diese Statusunterschiede sind wirtschaftlich relevant. Die Agentur kann bereits Markenaufträge organisieren, während die App Nutzer für Interaktion belohnt und Werbung technisch vermarkten kann. Ob ein Creator künftig zusätzlich am Erfolg eines eigenen Formats auf naoo Play beteiligt wird, lässt sich aus keinem dieser bestehenden Bausteine berechnen. Ebenso bleibt offen, ob künftige Erlöse an einen Agenturauftrag, an die Rechte am Inhalt oder an die Nutzung innerhalb der App geknüpft wären.
Was die Verbindung für Schweizer Kampagnen bedeutet
Die vorgesehene Zusammenarbeit kann Creator-Inhalte mit lokalen Angeboten verbinden. Kingfluencers bringt dafür sein Netzwerk und seine Markenbeziehungen ein; naoo bietet Inhalte, Community-Funktionen und Anreize für Besuche vor Ort. Die gemeinsamen Wachstumsinitiativen sollen diese Bausteine zusammenführen. Ob ein Auftraggeber künftig ein gemeinsames Paket kauft, einzelne Leistungen kombiniert oder zunächst die vorhandenen Angebote parallel nutzt, ist damit noch nicht festgelegt.
Für Creator unterscheiden sich diese Wege deutlich: Bei einer Agenturkampagne hängt die Vergütung von einem konkreten Auftrag ab, bei einem eigenen Unterhaltungsformat wären zusätzlich Rechte, Ausspielung und Erlösbeteiligung zu regeln. Zusätzliche Buchungen, Reichweite und Auszahlungen an Creator sind bislang keine ausgewiesenen Ergebnisse der Integration. Auch mehr Nutzung durch naoo Play ist ein Ziel der Gruppe, kein bereits gemessener Effekt des Zusammenschlusses.
Die nächste belastbare Veränderung wäre eine veröffentlichte Regelung, wer an gemeinsamen Kampagnen und eigenen Medienformaten teilnehmen kann, welche Rechte dabei gelten und wie Einnahmen verteilt werden. Erst mit solchen Bedingungen lässt sich der zusätzliche Wert der neuen Gruppenstruktur für einzelne Creator beziffern.
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