Hetzner oder IONOS: Preisrechner und Serverleistung erzählen zwei Geschichten

|Autor: QUASA-Redaktion|6 Min. Lesezeit| 20
Hetzner oder IONOS: Preisrechner und Serverleistung erzählen zwei Geschichten

Für drei dauerhaft laufende Cloud-VMs mit gleicher Zahl virtueller CPUs, gleicher RAM-Menge und gleichem Speicherplatz fallen Hetzners modellierte Listenpreise niedriger aus als die von IONOS CLOUD. Das ist ein Kostenbefund, kein Leistungssieg: Ein unabhängiger Test misst Webhosting-Pakete der beiden Anbieter, nicht diese Cloud-VMs. Für die Auswahl zählen deshalb auch Speicherart, Support und der vorgesehene Standort.

Die Hetzner-Preisanpassung gilt seit dem 15. Juni 2026 für neue Bestellungen und bestimmte Änderungen an Cloud-Instanzen. Sie nennt für europäische Standorte monatlich 5,49 Euro für CX23, 8,49 Euro für CX33 und 15,99 Euro für CX43, jeweils ohne Mehrwertsteuer und öffentliche IPv4-Adresse. Für ältere, unveränderte Instanzen können andere Preise gelten; ihre Rechnungen sind daher keine passende Grundlage für einen Neuauftrag.

Welche Ressourcen gleichgesetzt werden

Die Modellrechnung setzt jeweils eine Linux-VM an einem deutschen Standort für einen Modellmonat von 30 Tagen oder 720 Stunden an. Die Profile haben zwei, vier oder acht vCPUs, dazu 4, 8 oder 16 GB RAM und 40, 80 oder 160 GB Speicher. Der ausgehende Datenverkehr ins öffentliche Internet beträgt 0,5, 2 oder 5 TB. Jedes Profil steht für einen einzelnen Vertrag ohne Backups, Load Balancer, Datenbankdienst und öffentliche IPv4-Adresse.

Die Hetzner-CX-Produktseite ordnet diese Ressourcen den Typen CX23, CX33 und CX43 zu: Der genannte Speicher ist lokaler NVMe-Speicher, und bei Cloud-Servern in der EU sind mindestens 20 TB Transfer enthalten. Hetzner beschreibt die kostengünstige CX-Reihe für niedrige bis mittlere CPU-Lasten und Anwendungen, die schwankende CPU-Leistung vertragen. Der Monatsbetrag ist eine Preisobergrenze; bei früherem Löschen wird der Stundensatz berechnet. Ein niedriger Paketpreis beschreibt somit weder eine garantierte Rechenleistung unter Dauerlast noch einen separat austauschbaren Speicher.

Bei IONOS CLOUD entsteht die entsprechende vCPU-VM aus getrennt berechneten Ressourcen. Die IONOS-CLOUD-Preisliste nennt 0,012 Euro je vCPU und Stunde, 0,002 Euro je GB RAM und Stunde sowie 0,07 Euro je GB Balanced-SSD für 30 Tage; die ersten 2 TB ausgehenden öffentlichen Transfers pro Vertrag sind frei, für die nächsten 8 TB gelten 0,03 Euro je GB. Ein TB zählt dabei als 1.024 GB. Die Liste führt außerdem deutsch- und englischsprachigen SysAdmin-Support per Telefon und E-Mail rund um die Uhr als kostenfrei auf.

Gleich sind in diesem Vergleich die nominellen Kapazitäten, nicht die Speicherprodukte oder die verfügbare Rechenleistung. Hetzners lokales NVMe-Laufwerk steckt im CX-Paket; bei IONOS ist die gewählte Balanced-SSD ein Blockspeicher mit eigener Abrechnung. Wer statt Balanced eine andere Speicherklasse benötigt, erhält bei IONOS einen anderen Gesamtpreis. Auch eine Anwendung mit hohem CPU-Bedarf kann aus identischen vCPU-Zahlen allein keine identischen Antwortzeiten ableiten.

Was die drei Lastprofile kosten

Alle Modellbeträge sind Nettowerte. In Klammern stehen beispielhafte Bruttowerte mit 19 Prozent deutscher Umsatzsteuer; für Rechnungen in Österreich oder der Schweiz hängt die Steuer vom konkreten Fall ab. Die IONOS-Beträge ergeben sich aus 720 Stunden für CPU und RAM, 30 Tagen Balanced-SSD und dem jeweiligen ausgehenden Transfer. Bei Hetzner gelten die monatlichen CX-Preisobergrenzen.

  • Kleine Anwendung: Bei zwei vCPUs, 4 GB RAM, 40 GB Speicher und 0,5 TB Transfer kostet CX23 modelliert 5,49 Euro netto (6,53 Euro brutto). IONOS kommt auf 23,04 Euro für CPU und RAM plus 2,80 Euro für Speicher, zusammen 25,84 Euro netto (30,75 Euro brutto). Für den Transfer fällt in diesem Einzelvertragsmodell nichts an.
  • Mittlere Anwendung: Bei vier vCPUs, 8 GB RAM, 80 GB Speicher und 2 TB Transfer kostet CX33 8,49 Euro netto (10,10 Euro brutto). Bei IONOS ergeben 46,08 Euro für CPU und RAM sowie 5,60 Euro für Speicher insgesamt 51,68 Euro netto (61,50 Euro brutto). Der angenommene Transfer schöpft das freie Vertragsvolumen aus.
  • Transferintensive Anwendung: Bei acht vCPUs, 16 GB RAM, 160 GB Speicher und 5 TB Transfer kostet CX43 15,99 Euro netto (19,03 Euro brutto). Bei IONOS addieren sich 92,16 Euro für CPU und RAM, 11,20 Euro für Speicher und 92,16 Euro für die drei TB oberhalb des Freivolumens: 195,52 Euro netto (232,67 Euro brutto).

Der Abstand entsteht schon bei der dauerhaft belegten Rechenleistung; im großen Profil vergrößert der ausgehende Transfer ihn zusätzlich. Das IONOS-Freivolumen gehört allerdings zum Vertrag und wird mit dessen weiteren Public-Cloud-Diensten geteilt. Verbrauchen andere Dienste einen Teil davon, steigt der dem Profil zurechenbare Transferpreis. Umgekehrt ändern kürzere Laufzeiten die CPU- und RAM-Kosten bei IONOS und lassen bei Hetzner die Stundenabrechnung statt der Monatsobergrenze relevant werden.

Was der Preisrechner offenlässt

Der IONOS-CLOUD-Preisrechner bezeichnet seine Ausgabe als unverbindliche Kostenschätzung; bei Abweichungen gelten die offizielle Preisliste oder individuelle Vertragsvereinbarungen. Er weist darauf hin, dass einzelne Dienste nicht an jedem Rechenzentrumsstandort verfügbar sind. Das Angebot richtet sich ausschließlich an Gewerbetreibende, die angezeigten Preise verstehen sich zuzüglich Umsatzsteuer.

Damit ist die Modellrechnung ein Vergleich von Listenpreisen unter festgelegten Bedingungen, kein Angebot für eine konkrete Beschaffung. Ein vereinbarter Sonderpreis, zusätzliche öffentliche Adressen oder Backups verändern die Rechnung. Bei einer Anwendung, die regelmäßig heruntergefahren und später wieder benötigt wird, kommt es zudem darauf an, welche Ressourcen während der Unterbrechung weiter gebucht bleiben. Der hier angenommene Dauerbetrieb bildet dieses Nutzungsmuster nicht ab.

Welche Serverleistung tatsächlich gemessen wurde

Der Business-Webhosting-Test von connect professional und zafaco aus Oktober 2026 setzt Hetzners Webhosting S im Gesamtergebnis auf Platz eins und IONOS Webhosting Ultimate auf Platz fünf. In der Teilwertung Server-Performance liegen wiederum All-inkl.com, Mittwald und Webgo vor Hetzner; IONOS landet dort auf dem vorletzten Platz. Das Gesamtranking und die Teilwertung beantworten also bereits innerhalb dieses Tests unterschiedliche Fragen.

Die Anbieter wählten ihre Hosting-Pakete für den Test selbst aus. Gemessen wurden unter anderem Stabilität, Webdienste sowie Aufgaben wie Bildverarbeitung, Datei- und String-Operationen unter den jeweiligen Hosting-Bedingungen. Weder CX23, CX33 und CX43 noch gleich konfigurierte IONOS-Compute-Engine-VMs waren die getesteten Produkte. Der Leistungsabstand der Webhosting-Pakete lässt sich deshalb nicht als Geschwindigkeitsvorsprung einer der hier berechneten Cloud-Konfigurationen ausgeben.

Wann welcher Befund für die Wahl zählt

Für eine dauerhaft laufende VM mit den modellierten Ressourcen spricht der Listenpreis klar für Hetzner. Wer unabhängig skalierbare CPU-, RAM- und Blockspeichergrößen oder den ausgewiesenen SysAdmin-Support benötigt, muss deren Wert gegen den höheren Modellbetrag bei IONOS abwägen. Für eine rechenintensive Anwendung ist außerdem zu berücksichtigen, dass die gewählte Hetzner-CX-Reihe für schwankende CPU-Leistung ausgelegt ist.

Bei einer Unternehmenswebsite ohne eigene VM-Verwaltung sind dagegen die getesteten Webhosting-Pakete der passendere Produktvergleich. Für eine selbst betriebene Cloud-Anwendung entscheidet erst die Leistung der tatsächlich vorgesehenen Konfiguration unter ihrer eigenen CPU-, Speicher- und Netzlast. Die Preisrechnung grenzt den Kostenunterschied ein; der Hosting-Test liefert dafür keinen Ersatzmesswert.

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