
Cloudflare R2 oder AWS S3: Egress spart Geld, die Region bestimmt das Tempo

Für Anwendungen mit viel direktem Internettransfer ist Cloudflare R2 in den Beispielrechnungen deutlich günstiger: Die R2-Preisliste von Cloudflare nennt für Standardspeicher 0,015 US-Dollar je GB-Monat und keine direkte Egress-Gebühr. Speicher und Operationen werden nach Verbrauch der jeweiligen Freikontingente weiter berechnet. Der Kostenvorteil wächst daher vor allem dann, wenn eine Anwendung viele Daten ausliefert.
AWS S3 kann trotzdem besser passen, wenn benötigte AWS-Funktionen bereits eingebunden sind oder die konkrete Arbeitslast dort schneller läuft. Die S3-Preisseite von AWS trennt Speicher, Anfragen und Datentransfer; ihr Beispiel für Europe (Ireland) verwendet 0,09 US-Dollar je GB kostenpflichtigen Internettransfers, während die ersten 100 GB pro Monat dienst- und regionsübergreifend frei sind. Entscheidend sind damit Zugriffsmuster, Standort und Umbauaufwand ebenso wie der Speicherpreis.
Welche Preise in der Rechnung stecken
Die folgenden Monatsrechnungen stellen R2 Standard einem S3-Standard-Bucket in Europe (Ireland) gegenüber. Ein regionaler S3-Preisüberblick nennt für Irland 0,023 US-Dollar je GB-Monat; seine ausdrücklich auf US East bezogene Anfrage-Tabelle zeigt 0,005 US-Dollar je 1000 PUT und 0,0004 US-Dollar je 1000 GET. Die Anfragewerte werden für die irischen Szenarien als Modellannahme übernommen, nicht als separat belegter Tarif für Irland. Der Internettransfer wird mit dem zuvor genannten AWS-Beispielsatz berechnet.
Bei R2 gelten in der Rechnung die monatlichen Freikontingente für Standardspeicher und die beiden Operationsklassen. PUT wird als Class A, GET als Class B gerechnet. Unterstellt werden ein über den Monat konstanter Speicherbestand, ausschließlich die genannten Anfragen und direkter Transfer ins Internet. Das gemeinsame kostenlose AWS-Transferkontingent gilt als bereits durch andere Nutzung ausgeschöpft. Ohne diese Annahme fiele die S3-Rechnung bei ausgehenden Daten entsprechend niedriger aus. Steuern, CDN, Rechenleistung, Replikation und zusätzliche Sicherheitsdienste bleiben außerhalb der Szenarien.
Drei Arbeitslasten, drei Monatsrechnungen

Wenig Auslieferung: Eine hypothetische Anwendung hält 1000 GB vor, schreibt 100.000 Objekte, liest eine Million Objekte und liefert im betrachteten Monat keine Daten ins Internet aus. R2 kostet 14,85 US-Dollar: Nach dem kostenlosen Speicheranteil bleiben 990 abrechenbare GB-Monate; beide Anfragezahlen liegen innerhalb der Freikontingente. Für S3 ergeben sich unter den genannten Preisannahmen 23,90 US-Dollar aus 23,00 US-Dollar Speicher, 0,50 US-Dollar PUT und 0,40 US-Dollar GET. Der Abstand von 9,05 US-Dollar ist klein genug, dass bestehende Integrationen für die Wahl erheblich sein können.
Viel Auslieferung: Speicher und Anfragen bleiben gleich, hinzu kommen hypothetisch 5000 GB direkter Internettransfer. R2 bleibt unter diesen Annahmen bei 14,85 US-Dollar. Bei S3 kommen 450,00 US-Dollar Transfer zu den 23,90 US-Dollar für Speicher und Anfragen; zusammen sind das 473,90 US-Dollar. Hier überlagert der Transfer die Unterschiede bei Speicher und Operationen. Erfolgt die Auslieferung über einen gesondert bepreisten Dienst, lässt sich dessen Rechnung nicht aus diesem direkten Speichertransfer ableiten.
Viele Operationen: Bei weiterhin 1000 GB Speicher fallen hypothetisch zwei Millionen PUT, 100 Millionen GET und 1000 GB Internettransfer an. Für R2 ergeben sich 14,85 US-Dollar Speicher, 4,50 US-Dollar für Class A nach dem Freikontingent und 32,40 US-Dollar für Class B: insgesamt 51,75 US-Dollar. S3 erreicht im Modell 163,00 US-Dollar aus 23,00 US-Dollar Speicher, 10,00 US-Dollar PUT, 40,00 US-Dollar GET und 90,00 US-Dollar Transfer. Häufige Abrufe machen die Anfragepreise sichtbar; den größeren Unterschied verursacht auch in diesem Beispiel der direkte Internettransfer.
Die Beträge sind Listenpreis-Rechnungen für definierte Lasten, keine Vorhersage einer vollständigen Cloud-Rechnung. Bei S3 können insbesondere die tatsächlichen regionalen Anfragepreise und ein noch verfügbares Transferkontingent die Beträge verändern. Bei R2 werden angebrochene Abrechnungseinheiten aufgerundet. Die Beispielmengen sind so gewählt, dass diese Rundung die ausgewiesenen Ergebnisse nicht verändert.
Was die EU-Messungen über das Tempo zeigen

Der günstigere Transferpreis sagt nichts über Antwortzeit oder Durchsatz. In der von Backblaze durchgeführten und von StorageReview ausgewerteten EU-Central-Testreihe für das erste Quartal 2026 benötigte R2 beim durchschnittlichen Upload eines 256-KiB-Objekts 8,94 Millisekunden, S3 17,14 Millisekunden; beim durchschnittlichen Download eines 5-MiB-Objekts führte dagegen S3 mit 141,63 Millisekunden. R2 lag auch bei den durchschnittlichen Downloads kleinerer getesteter Objekte vorn, S3 bei größeren parallelen Downloads. Die Rangfolge wechselte zudem zwischen den untersuchten Regionen und Messarten.
Backblaze ist selbst Speicheranbieter und hat die synthetischen Tests entworfen und ausgeführt. Die Anfragen kamen von virtuellen Maschinen in den jeweiligen Testregionen; solche Wege entsprechen nicht automatisch denen einer Anwendung mit Nutzern in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Ein Dienst mit vielen kleinen Einzelabrufen gewichtet mittlere Antwortzeiten anders als ein Dienst, der große Dateien parallel überträgt. Auch Cache, Netzanbindung und gewählte Speicherregion können den Zugriffspfad einer realen Anwendung verändern.
Wo die S3-Kompatibilität endet
R2 bietet eine S3-kompatible API, doch der Funktionsumfang ist nicht deckungsgleich. Die R2-Kompatibilitätsübersicht führt unterstützte und fehlende API-Optionen einzeln auf, darunter nicht implementierte Optionen für AWS-KMS-Schlüssel, Object Lock und ACLs bei bestimmten Operationen. Ein einfacher PUT- und GET-Pfad kann deshalb leichter umzuziehen sein als eine Anwendung, die solche Eigenschaften fest voraussetzt.
S3 bietet darüber hinaus Speicherklassen und eng angebundene Funktionen für Verwaltung, Replikation und Verarbeitung innerhalb von AWS. Ihr Nutzen ist kein pauschaler Preisnachlass: Er entsteht dort, wo ein Team diese Funktionen tatsächlich einsetzt und bei einem Wechsel ersetzen müsste. Umgekehrt spricht wenig für diesen Mehraufwand, wenn eine Anwendung Objekte vor allem direkt ausliefert und keine S3-spezifischen Optionen benötigt. Die API-Kompatibilität entscheidet somit über den Integrationsaufwand, nicht allein über die Möglichkeit, denselben Objektnamen zu lesen.
Integrations- und Migrationskosten getrennt halten
Die drei Monatsrechnungen enthalten nur laufende Speicher-, Anfrage- und Transferkosten. Integrationskosten entstehen beispielsweise durch Anpassungen an Authentifizierung, Berechtigungen, Ereignisverarbeitung und Überwachung. Migrationskosten betreffen dagegen das einmalige Kopieren vorhandener Objekte, die Validierung der Bestände und gegebenenfalls einen zeitweisen Parallelbetrieb. Für diese beiden Posten gibt es ohne Angaben zur bestehenden Architektur keinen belastbaren Pauschalbetrag.
Bei einer einfachen, auslieferungsstarken Arbeitslast ist R2 unter den ausgewiesenen Annahmen wirtschaftlich klar im Vorteil. S3 kann die bessere Gesamtentscheidung sein, wenn seine eingebundenen Funktionen Umbau ersparen oder sein Zugriffspfad für die benötigten Objektgrößen und Nutzerstandorte besser funktioniert. Der sinnvolle Vergleich setzt deshalb die laufende Modellrechnung neben den einmaligen Wechselaufwand und misst Antwortzeit sowie Durchsatz für die tatsächlich verwendeten Dateien.
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