
Vates sammelt 30 Mio. Euro ein – Open Source soll unangetastet bleiben

Das Virtualisierungsunternehmen Vates aus Grenoble hat am 6. Oktober 2026 in seiner Unternehmensmitteilung die erste Finanzierungsrunde über 30 Millionen Euro von IRIS Growth und Bpifrance Large Venture bekannt gegeben; CEO und Mitgründer Olivier Lambert erklärte dazu: „We are not raising funds to change our strategy, but to accelerate the one we have pursued from the beginning.“ Die Mitgründer behalten die Kapitalmehrheit. XCP-ng und Xen Orchestra sollen unter ihren bisherigen Open-Source-Lizenzen weitergeführt werden.
Die Mitteilung von Bpifrance nennt mehr als 1.000 Kunden in rund 100 Ländern und ein Wachstum von über 65 Prozent im Jahr 2025. Das neue Kapital soll vor allem in die Produktentwicklung sowie in internationale Vertriebsstrukturen und ein größeres Partnernetz fließen. Für bestehende Nutzer ist dabei entscheidend, dass Vates trotz des geplanten Wachstums an den Lizenzen und am Geschäft mit bezahltem Support festhalten will.
Das Kapital soll zuerst die Plattformentwicklung beschleunigen
Vates sieht den größten Investitionsbedarf in der Technik. Geplant sind Arbeiten an Leistung, Speicher, Sicherheit und Automatisierung sowie an der Verwaltung großer Virtualisierungsumgebungen. Das Unternehmen nennt auch neue Anforderungen durch KI-Workloads. Damit beschreibt es Entwicklungsfelder, aber noch keine fertigen Funktionen oder Veröffentlichungstermine. Für Infrastrukturteams zählt später, welche Verbesserungen tatsächlich in XCP-ng und Xen Orchestra ankommen.
Der zweite Schwerpunkt liegt auf Vertrieb und Marketing in Nordamerika und wichtigen europäischen Märkten. Vates will dort stärker mit großen Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und Dienstleistern arbeiten. Zusätzlich soll ein breiteres Netz aus Distributoren, Integratoren, Serviceanbietern und Technologiepartnern größere Migrationsprojekte unterstützen. Das Geld finanziert somit sowohl Entwicklungsarbeit als auch die Fähigkeit, die Plattform bei mehr Kunden einzuführen und zu betreuen.
Diese Vorhaben bauen auf einem bereits internationalen Geschäft auf. Nordamerika ist nach Angaben des Unternehmens sein größter Markt; der Ausbau dort soll die vorhandene Nachfrage bedienen. Zusätzliche Vertriebskapazität kann Angebote und Betreuung näher an Kunden bringen, während neue Partner umfangreichere Umstellungen begleiten könnten. Wie schnell sich daraus kürzere Projektlaufzeiten oder mehr verfügbare Unterstützung ergeben, lässt sich aus der Finanzierungsankündigung allein noch nicht ableiten.
Mehrheit, Lizenzen und Support bleiben die festen Zusagen
Die Mitgründer behalten nach dem Einstieg der Investoren die Mehrheit an Vates. Damit bleibt die strategische Kontrolle nach der Runde bei ihnen. Für Nutzer ist jedoch eine andere Zusage im Alltag unmittelbarer: XCP-ng soll freie Software bleiben, und Xen Orchestra soll weiterhin unter der AGPLv3 veröffentlicht und aus dem Quellcode gebaut werden können. Vates verspricht außerdem, künftige Entwicklungsarbeit an Hypervisor, Speicher, Sicherheit und Verwaltung offen bereitzustellen.
Auch das Geschäftsmodell soll bestehen bleiben. Vates verkauft Support und Dienstleistungen rund um Software, die nach seiner Darstellung mit und ohne Abonnement dieselbe ist. Ein Vertrag bezahlt damit Hilfe beim Betrieb, statt eine andere Produktfassung freizuschalten. Gerade für Organisationen, die ihre Virtualisierungsumgebung selbst betreiben, ist diese Unterscheidung relevant: Sie können den Code nutzen und zugleich entscheiden, für welche Unterstützung sie bezahlen.
Die Zusagen betreffen verschiedene Dinge und lassen sich deshalb nicht durch eine einzige Aussage über die Eigentümer zusammenfassen. Die Kapitalmehrheit bestimmt, wer die Unternehmensrichtung kontrolliert. Lizenzen regeln die Rechte an der Software; die Veröffentlichung des Quellcodes und das Supportangebot prägen den tatsächlichen Zugang zum Produkt. Vates hat für die einzelnen Entwicklungsvorhaben weder einen verbindlichen Releaseplan noch eine Aufteilung des Kapitals auf XCP-ng und Xen Orchestra genannt.
Der VMware-Umbruch eröffnet Vates eine größere Marktchance
Die Runde fällt in eine Phase, in der Unternehmen ihre Virtualisierungsstrategie nach der Übernahme von VMware durch Broadcom neu bewerten. Die Berichterstattung von La Tribune bezeichnet die Finanzierung als Serie A und berichtet, dass Vates seine geplante Expansion in Europa und den USA damit nach eigener Erwartung um vier Jahre vorziehen will. Das ist ein Ziel für die kommenden Jahre, kein bereits erzielter Wachstumseffekt.
Vates bietet mit XCP-ng und Xen Orchestra eine europäische Alternative für die Virtualisierung von Servern und deren Verwaltung an. Der offene Quellcode und die Möglichkeit, die Umgebung selbst zu betreiben, sprechen insbesondere Organisationen an, die ihre Abhängigkeit von einem einzelnen Anbieter begrenzen möchten. Dafür muss die Plattform im Betrieb überzeugen: Entscheidend sind etwa die Verwaltung bestehender Systeme, die Einbindung von Speicher und die Unterstützung bei einer Migration.
Zum Wettbewerb gehört auch eine Grenze, die Lambert selbst benennt: Vates verfügt derzeit nicht über einen so umfassenden Produktkatalog wie VMware. Zusätzliche Ingenieure und Partner können die Kapazität für neue Funktionen und größere Projekte erhöhen, ersetzen aber keine bereits verfügbaren Produkte. Der Finanzierungsplan zeigt, in welchen Bereichen Vates aufholen will; ob diese Arbeit die Anforderungen großer Infrastrukturen erfüllt, werden konkrete Veröffentlichungen und Kundenprojekte zeigen.
Die nächsten Versionen machen das Versprechen überprüfbar
Für Bestandskunden sind kommende Produktversionen der greifbarste Maßstab für die angekündigte Kontinuität. Bei XCP-ng und Xen Orchestra lässt sich erkennen, ob die bisherigen Lizenzbedingungen bestehen bleiben und neue Funktionen weiterhin mit zugänglichem Quellcode erscheinen. Ebenso wird sichtbar, ob Verbesserungen an Speicher, Sicherheit und Verwaltung in den offen verfügbaren Produkten landen. Das sind getrennte Fragen: Eine unveränderte Lizenz sagt für sich genommen noch nichts darüber aus, welche neue Funktion tatsächlich veröffentlicht wurde.
Auch beim Supportmodell zeigt sich die Wirkung erst im Angebot rund um spätere Versionen. Solange die Software mit und ohne Abonnement dieselbe bleibt, können Kunden bezahlte Unterstützung nach ihrem Betriebsbedarf wählen. Sollte sich der Zugang zu neuen Funktionen oder zum Quellcode verändern, hätte das eine andere Bedeutung als ein größerer Vertrieb oder zusätzliche Servicepartner. Gerade deshalb sind die Produktveröffentlichungen für Nutzer aussagekräftiger als die bloße Zahl neuer Stellen.
Die Finanzierung schafft Vates Spielraum für Entwicklung und Expansion; einen konkreten Termin für die angekündigten Verbesserungen gibt es bislang nicht. Mit den nächsten Veröffentlichungen von XCP-ng und Xen Orchestra wird erstmals genauer erkennbar, wie das zusätzliche Kapital in Funktionen mündet und ob der zugesagte Zugang zur Software erhalten bleibt.
Lesen Sie auch:
Ähnliche Artikel


Noxtua erhält über 100 Mio. Euro – C.H.BECK übernimmt die Mehrheit

Google stoppt Open-Source-Bug-Bountys – automatisierte Meldungen überlasten die Prüfung

VMware bündelt Private AI Cloud – 150 Modelle lösen die Kostenfrage nicht

Neno sammelt 6,6 Millionen Euro ein – Buchhaltung wird zum KI-Dienst

Genesys verbindet Service-Agenten – zentrale Kontrolle ist schon verfügbar
Newsletter abonnieren
Erhalten Sie die neuesten Nachrichten zu Web3, KI und Krypto direkt in Ihren Posteingang.